Willkommen zurück! Ich habe schon allzu lange nichts mehr von mir hören lassen. Das hat einen tragischen Grund: Die Olympiade hält mich gefangen! Ich bin ein Gefangener! Nicht à la „gefesselt im Keller“. Nein, viel schlimmer! Gefesselt auf dem Sofa; vom Geschehen im TV. Egal was ich mir vornehme zu tun, ich (ver-)ende immer auf dem Sofa. Nun ja. Dafür ist die Olympiade wohl da. Brot und Spiele für die Römer. Eine Ablenkung Für ein paar Tage versunken in der Tatenlosigkeit. Nach ein paar Tagen befürchtete ich schon, für immer ein Gefangener zu bleiben. Nie mehr werde ich vom Sofa aufstehen können. Oh lag ich falsch! Ich wurde jäh aus meinem Olympiakomma gerissen.

Ich schaute innert weniger Stunden Skispringen, Eiskunstlaufen und Freeski Slopestyle. Es passierte, was ich erwartete. Nackte Tatsachen beim Eiskunst-Paarlauf. Simon Ammann fiel, statt zu fliegen. Die Schweizer-Slopestyle Männer taten es ihm gleich. Nur spektakulärer. Was also trieb mich dazu angewidert vom Sofa aufzuspringen? Der Triple Backflip!

Um das zu verstehen muss ich ein wenig ausholen. Es gibt sportliche Leistungen, die man nur subjektiv bewerten kann. Beispielsweise eine Kür im Eiskunstlaufen oder ein Run im Ski Freestyle Slopestyle. Man schiesst keine Tore, schreibt keine Steine oder Zeiten. Man kann die Läufe nur benoten. D.h. das Resultat hängt von ausschliesslich von den vergebenen Noten ab. Auch funktionieren diese Sportarten auch nur so. Ausserdem gibt es in allen Sportarten subjektive Komponenten. Ausser im Schach. Haha guter Witz. Schach ist kein Sport. Egal. Im Fussball gibt’s den Schiri. Im Ski alpin den Wind. Und so weiter.

Ich finde aber, man sollte wenigstens versuchen die „subjektiven Sportarten“ so fair wie möglich zu gestalten. Ein Gutes Beispiel: Eiskunstlaufen. Im Eiskunstlaufen gibt es für ein Element eine gewisse Note. Je schwerer desto höher. Die Qualität der Ausführung fliesst zudem in die Endnote ein. Dies ist immer und überall gleich. Egal ob Junioren oder Profis, egal ob im regulären Wettkampf oder an Olympia, egal ob in der Qualifikation oder im Final. Die Pirouette X gibt immer Y Punkte. Immer! Auch gibt es für nichts die Maximalpunktzahl. Was würde auch passieren, wenn am Tag nach der Vergabe der Maximalpunktzahl jemand besser wäre? Genau. Systemzusammenbruch. Die Benotung im Eiskunstlauf ist logisch! Die rationale Schlussfolgerung: So machen dies bestimmt alle. Nein machen sie nicht!

Im Slopestyle beispielsweise sind Noten etwa so vergänglich wie Schnee in der Sahara. Die Judges vergeben nach Lust und Laune Punkte. Heute so, morgen anders. Ein Run hat in der Qualifikation 90 Punkte wert. Der genau gleiche Run im Final nur noch 75 Punkte. Kopfschütteln. Doch dahinter steckt System: Das Niveau im Final wird höher sein, also muss man die Skala anpassen. Nein, muss man nicht. Doch; weil man sonst die Skala sprengt. Übersetzt heisst das Folgendes: Man vergibt in der Quali für einen Backflip 99 von 100 Punkten. Im Final steht ein Athlet einen Double Backflip. Diesem gibt man mehr Punkte, sprich 100. Der darauffolgende Athlet landet einen Triple Backflip. Nun müsste man diesem 101 Punkte geben. Dies kann man aber nicht, weil 100 Punkte die Maximalpunktzahl sind. Der totale Systemzusammenbruch.

Der logische Schluss: Unser System ist kaputt – Wir brauchen ein neues! Die Realität: Das Niveau des Wettkampfs bestimmt die Höhe der vergebenen Punkte. Die totale Willkür! Genau so macht man das übrigens auch in der Schule: In der Klasse X geben 50 Punkte die Note 6. In der Klasse Y geben schon 30 Punkte eine 6, weil das alles Idioten sind. Logisch. Macht absolut kein Sinn. Ist auch nicht fair! Aber egal, die Welt ist nicht fair. Dieses Benotungschaos liess mich aufsitzen. Dann schaute ich Skispringen. Ich sprang auf. Es versetzte mich in Rage!

Skispringen. Eine simplere Sportart sollte es nicht geben. Eine Schanze hinunterfahren und so weit springen wie möglich. Wer am weitesten springt, gewinnt. Wie beim Weitsprung in der Leichtathletik. Schaut man nun Skispringen muss man leider feststellen, dass es sich nicht so verhält. Die Springer werden benotet. In der Flugphase und während der Landung. Weshalb? Keine Ahnung. Klar, der Sprung sollte nur zählen, wenn man auf beiden Skis stehend landet. Nicht stürzen als einzige Vorgabe. Das aber Medaillen falsch vergeben werden, weil die Flugphase nicht schön oder der Telemark nicht sauber war, ist eine Pharse! Wen interessiert es schon, wie man landet oder fliegt. Hauptsache weit. Von mir aus können die Athleten in der Arschbomben-Position aus dem Himmel fallen. Oder um zu segeln die Arme als Flügel ausbreiten. Oder wie Superman: Eine Faust nach vorne gestreckt Richtung Erde schiessen. Sogar per Backflip. Aber bitte: Einfach nicht per Triple Backflip!

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