Oscar Pistorius, auch bekannt unter dem Namen „Blade Runner“ ist Weltrekordhalter über 400 Meter Sprints. Erstaunlich daran ist: Pistorius hat keine Beine! Kurz nach seiner Geburt mussten Pistorius die Beine unterhalb der Knie aufgrund einer Fehlbildung amputiert werden. Von einer Karriere als Sprinter liess sich Pistorius trotzdem nicht abhalten.

Weltweite Berühmtheit erlangte der Blade Runner aufgrund seines Vorhabens bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 bei den Nichtbehinderten mitrennen zu wollen. Nach langem rechtlichem Hin und Her (Kritiker waren tatsächlich der Ansicht, die „Blades“ könnten Pistorius einen Vorteil verschaffen!), erhielt Pistorius schliesslich die Erlaubnis an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Die einzige, aber wie sich herausstellen sollte, unüberwindbare Hürde, blieb die Qualifikationszeit von 45,95 Sekunden. Die Sensation blieb somit vorerst aus. Im Jahr 2011 unterbot Pistorius mit 45,07 Sekunden die Qualifikationsnorm für die Weltmeisterschaften 2011 in Daegu und wurde zum ersten Sportler mit Behinderung, der sich für die Weltmeisterschaften (Nicht-behinderter) qualifizieren konnte. Damit aber noch nicht genug! In der 4x 400 Meter Staffel holte Pistorius mit seinem Team Silber! Der Blade Runner schien nicht zu bremsen, bis schliesslich am Valentinstag (14. Februar) 2013 ein schreckliches Ereignis die Karriere von Pistorius abrupt beenden sollte…

Um etwa 5 Uhr nachts wird eine befreundete Nachbarin von Pistorius auf lautes Geschrei aus der Villa von Pistorius und Reeva Steenkamp aufmerksam. Beim Eintreffen sieht sie Pistorius die blutüberströmte Reeva in den Armen die Treppe runter tragen. Reeva Steenkamp ist tot.

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  1. Februar 2013, Ausführungen von Pistorius:

Es war 19 Uhr. Ich und meine Freundin Reeva essen in der ersten Etage unseres zweistöckigen Hauses in Pretoria gemeinsam zu Abend. Reeva gibt mir einen Valentisbrief worin sie schreibt: „Ich denke heute ist ein guter Tag, um dir zu sagen, dass ich dich liebe.“ Um 22 Uhr sind wir schlafen gegangen. Früh morgens bin ich schweissgebadet verwacht. Reeva war noch wach und hat mich gefragt: „Kannst du nicht schlafen?“ Die Hitze machte mir zu schaffen, obwohl die Balkontüren weit offen standen. Ich stand auf und holte zwei Ventilatoren von draussen ins Schlafzimmer, um wieder einschlafen zu können. Im Zimmer war es stockdunkel. Plötzlich hörte ich ein Geräusch aus der Toilette. Sofort dachte ich an einen Einbrecher. Meine Gedanken wanderten sofort zu meiner Waffe. Seit ich vermehrt mit Morddrohungen konfrontiert worden war, konnte ich nur noch mit einer Waffe unter meinem Kissen schlafen. Ohne weiter zu überlegen, stürzte ich mich auf meinen Revolver und bewegte mich Richtung Badezimmer. Reeva liegt noch im Bett, dachte ich mir. Ich schrie ihr zu: „Leg dich auf den Boden und ruf die Polizei.“ Dem Einbrecher drohte ich zu schiessen, sollte er unser Haus nicht sofort verlassen. Kurz bevor ich das Badezimmer erreichte, hörte ich wie die Toilettentür zuschlug. Es war eindeutig: Ein Einbrecher ist im Haus! Mit gezückter Waffe tastete ich mich im Dunkeln zum Badezimmer vor – nur auf meinen Beinstümpfen. Meine Prothesen hatte ich in der Hektik nicht anlegen können. Mit der Schulter musste ich mich an der Wand abstützen. An der Ecke schaute ich ins Badezimmer uns sah, dass tatsächlich das Fenster offen stand. Die Toilettentür war verschlossen. Meine Gedanken rasten. Jeden Moment könnte ein Einbrecher mit einer Leiter über das Fenster ins Badezimmer eindringen.  Plötzlich ein Geräusch aus der Toilette. Bevor ich wusste, was geschehen war, hatte ich vier Mal den Revolver abgefeuert. Verzweifelt schrie ich nach Reeva. Ich konnte nichts hören – da war ein schrilles Klingen in meinen Ohren. Ich kehrte zum Bett zurück, hievte mich auf die Bettkante und tastete nach Reeva. Aber sie war nicht dort. Da dämmerte es mir, dass sie in der Toilette sein könnte…

Was in der Tatnacht tasächlich geschehen ist, ist bis heute nicht ganz klar. June Steenkamp, die Mutter von Reeva ist sich sicher: „Wir zweifeln keine Sekunde daran:  Reeva wollte Oscar in dieser Nacht verlassen.“ Entgegen den Aussagen von Pistorius wurde vermutet, dass sich das Paar gestritten hatte. Zeugen bestätigten diese Ansicht. Oscar Pistorius wurde als Hauptverdächtiger wegen Mordes angeklagt. Staatsanwalt Gerrie Nel stellte pointiert fest: „Das gehörte alles zum Plan. Warum sollte sich ein Einbrecher selbst in einer Toilette einschliessen?“ Pistorius habe eine „unschuldige und unbewaffnete Frau“ getötet und forderte 10 Jahre Haft.

Pistorius wurde am 21. Oktober 2014 zu 5 Jahren Haft für fahrlässige Tötung verurteilt. Gerrie Nel war damit nicht zufrieden und beantragte Berufung. Das Berufungsgericht sprach Pistorius schiesslich am 3. Dezember 2015 schuldig des Mordes an Reeva Steenkamp. Vom erfolgreichen Sportler, der trotz seiner Behinderung als „fastest man on no legs“ weltweite Bekanntheit erlangte, wurde Oscar Pistorius zum Unsportler. Bis 2031 sitzt Pistorius seine Strafe im Gefängnis Atteridgeville in Pretoria ab.

Peace and Love – Ruulo

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